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Leichter Imkern - Erweiterung nach unten

Letztes Jahr hatte ich einige Völker auf einem Zanderbrutraum und war damit nicht zufrieden, der geizige Griff nach Honig wiegte sich nicht mit der stärker geschrumpften Volksstärke im Sommer und noch weniger mit der erschwerten Schwarmkontrolle auf. Dieses Jahr sitzen ca. 20 Völker auf einem „Pseudo-Einraum“, d.h. der zweite Brutraum wurde nicht auf sondern untergesetzt, gleichzeitig kommt der Honigraum über Absperrgitter darauf. Der Brutraum ist nicht eingeengt oder angepasst, ich nenne ihn mal kunstvoll den „ermöglichten Brutraum“.
Da das Brutnest bei den meisten Waben direkt am Absperrgitter mündet, wird jedes Quäntchen Honig über das Gitter gelagert. An einigen Standorten führte dies zu einem sehr frühen Eintrag an Kirschhonig – man kann damit sehr gut Sortenhonig abgreifen. Einige nach oben erweiterte Völker ballerten erst mal die Mittelwände voll, zunächst erscheint dies negativ, mittlerweile wurde ein Teil umgetragen und das Brutnest hat sich weiter ausgedehnt.
Das geizige Abschöpfen des Honigs sollte man mit Bedacht machen, wird alles über dem Absperrgitter abgeräumt, bleibt unten oft keine Reserve mehr. 2009 wurde ab Anfang Juni um bis zu 15kg gezehrt, bei den meisten Zander-Zweizargern befinden sich nach der Ernte genügend Reserven bis zur Einfütterung. Es gibt eine Dadantbetriebsweise die auf Grund der sicheren Bevorratung die Völker nicht wie bei einer Quetschkomode betreibt und die Luft auf 7 Waben raus lässt, sondern auf zwei Räume aufstockt. Eine konsequente und systematische Entnahme der Altwaben gelingt bei dieser „umgedrehten“ Betriebsweise während der Spätsommerpflege nicht so einfach, da die ältesten Waben oben sind und nicht nach unten wandern. Bei der Variante „Teilen und Behandeln“ könnte man die dunklen Waben (und sie werden sehr schnell dunkel!) ohne Umstände (und ohne Brut) ausschleusen, ein Brutraumtausch wäre denkbar, Entnahme im Frühjahr. Ich bin gespannt wie die Völker sich weiter entwickeln.


Bienenvölker müssen rechtzeitig zur Salweidenblüte erweitert werden, wer die Erweiterung nach oben verpasst, der sollte zur Kirschblüte eine andere Taktik fahren. Die Brutraumerweiterung nach unten hält die Brut sehr eng am Absperrgitter und ermöglicht eine unproblematische Annahme des Honigraumes.


 

Wer zu spät kommt, bekommt nicht mal den Schwarm. Jetzt erweitern!

 

Von einer auf drei Zargen in einem Durchgang.



Brutraumerweiterung nach oben oder unten? Der Zeitpunkt und die Volksstärke ist entscheidend. 


 

Man kann Einzargern zunächst nur den Honigraum aufsetzen und später bei folgender Bienenmasse im Mai den 1. Brutraum untersetzen.


 

Zu spät erweitert, aber auch mit diesem Umstand muss man umgehen:
- Unterbau entfernen, Baurahmen an den Rand, MW ins Brutnest und am Besten:
ZEITNAH einen zweiten Brutraum nach unten geben.


 

Erweiterung in Schritten - schwächere einzargig überwinterte Völker können zunächst mit einem Honigraum über Absperrgitter erweitert werden, mit dem großen Wachstum erfolgt eine Erweiterung mit einer zweiten Brutraumzarge, diese wird Anfang Mai unter den ersten Brutraum gegegeben.


 

Von Mitte April beginnend müssen Bienenvölker alle 7 Tage auf Schwarmstimmung kontrolliert werden, bei zweiräumigem Brutraum gelingt die Kontrolle durch den Blick von unten an die Unterkannte der Rähmchen und Wabenränder. Es reicht wenn man eine Schwarmzelle sieht, ein "Näpfchen" mit Ei ist ausreichend für die Diagnose Schwarmstimmung im Anmarsch, parallel können weitere Zellen mit fortgeschrittener Entwicklung angelegt sein. Das gezeigte Volk ist in beginnender Schwarmstimmung, der Baurahmen wurde flächig ausgebaut und bestiftet, mit steigender Schwarmlust versiegt der Bautrieb und der Baurahmen bleibt im Extremfall leer. Die Technik der Schwarmverhinderung gelingt gelenkschonend wenn die Brutwaben leicht sind und dadurch ohne Aufwand abzuschütteln, die Erweiterungsmethode ist mit entscheidend wie sich die Brut im Volk verteilt oder konzentriert. Zellenbrechen geht nur dann gut, wenn alle Waben sorgfältig abgeschüttelt werden und ALLE Schwarmzellen gefunden und zerstört wurden, bei bei extrem schwarmtriebigen Völkern die wöchentlich mit vielen gedeckelten Zellen aufwarten ist diese Technik nicht die zuverlässigste Schwarmverhinderung.

 Bei stärkeren Einzargern ist FRÜHES Aufsetzen auf jeden Fall vorteilhafter, schwächere Einzarger anstatt zu erweitern zu untersetzen eher die bessere Lösung [sanierte Völker nach der Trennung ebenfalls]. Gerade schwächere Völker können recht viel Honig eintragen und blockieren damit das Brutnest im aufgesetzten Raum, die Folgen sind Unterbau und Schwierigkeiten bei der Erschließung des Honigraumes und mangelnde Zuverlässigkeit der Kippkontrolle. Diese Situation ergibt sich auch oft bei zweiräumig überwinterten Völkern, vor allem wenn man nicht rechtzeitig und genügend Futterwaben entfernt hat. Zu spät erweiterte Einzarger produzieren oft sehr lästigen Unterbau, wird untersetzt geschieht dies nicht. Ein weiterer Vorteil kann die Handhabung der Brutwaben bei der Schwarmkontrolle sein: die Brutwaben haben meist keinen Honig um das Brutnest, dadurch lassen sie sich sich einfacher abschütteln und kontrollieren; sie haben weniger oder keine dick ausgezogene störenden Honigkränze. Die Kippkontrolle ist weiterhin möglich, die bei der Schwarmkontrolle abgeschüttelten Bienen überfüllen nicht wie bei Einräumern sofort weitere Waben. Bei Bedarf legt die Königin ein Brutnest nach unten an. Die untergesetzten Mittelwände werden sehr zögerlich ausgebaut, kein Vergleich zum Ausleben des Bautriebs beim Aufsetzen, ein Kern von 3 ausgebauten Waben ist evtl. sinnvoll. 

"Erweiterung nach unten" - Brutraumtausch Juni
Nach Abschluss der Tracht kommt nun der Tausch der Brutraumzargen als Vorbereitung zur systematischen Wabenhygiene. Auf den Boden, an die Stelle des 1. Brutraumes kommt der 2. Brutraum, die nach unten erweiterte Zarge kommt darüber. Die meisten Völker haben nur sehr wenig in der nach unten erweiterten Zarge gebrütet, Brut befindet sich aktuell nur maximal auf einer Wabe. Honigvorräte gibt es in der 1. Zarge bis auf ein paar Zellen gar keine. Nicht alle Mittelwände sind ausgebaut worden, dafür ist der 2. Brutraum extrem "gealtert", da sich die Brut nur auf wenigen Waben konzentrierte. Durch den Brutraumtausch wird der Honig fluglochfern nach oben getragen. Ob das Brutnest noch nach oben verlagert wird bleibt fraglich. Allerdings kann man durch den Brutraumtausch auch jetzt schon eine AS Behandlung mit genügend Abstand zur Brut machen. Den 1. Brutraum mit den alten dunklen Waben könnte man auch noch Mitte August nach Rückgang des Brutumfanges entfernen, bis dahin dürften die Vorräte umgetragen sein um das Volk dann auf einer Zarge einzufüttern.

"Erweiterung nach unten" - Wabenhygiene Spätsommer
Anfang Juni gab es einen Tausch der Bruträume, teils waren die MWs der ersten Zarge nur im Kern ausgebaut, bei manchen Völkern hat es das Brutnest durch die Tracht stärker nach unten gedrückt. Die MWs wurden nach dem Tausch sehr schön ausgebaut, ohne Drohnennester wie dies im Frühjahr beim Aufsetzen manchmal passiert. Das Brutnest wandert schön nach oben, ca. 50% der Brut sitzt nun oben, die Völker haben noch eine enorme Brutmenge (fast 40 000 Brutzellen!). Die Wabenhygiene kann soweit im Spätsommer ganz normal geschehen. Ich hatte damit gerechnet, dass durch den Tausch der obere Brutraum verhonigt, das passiert wohl nur bei extremer Tracht, es gibt schöne geschlossene Brutbretter in der 2. Zarge; vielleicht ermöglichen die Mittelwände sogar eine etwas größere Brutnestanlage? Die Erweiterung nach unten hat was, vor allem bei den schwächeren Völkern. Im Vergleich zu überwinterten Zweizargern gibt es deutlich weniger Stress in der Schwarmzeit. Es ist durchaus möglich die Völker nach der Wabenhygiene auf einer Zarge einzuwintern.

Hier erfolgte die Wabenhygiene im Spätsommer, nachdem die Bruträume früh gedreht wurden. An der Färbung ist die starke Konzentrierte Bebrütung der Waben zu erkennen. Falls die Entnahme im August nicht funktioniert, weil die Brut nicht nach oben gezogen ist, verschiebt sich die Wabenhygiene auf das Frühjahr oder in den nächsten Spätsommer. Die Wabenhygiene gelingt im Spätsommer kompromissloser.

 

Bei der Erweiterung nach unten befinden sich die jüngeren Waben in der unteren Zarge, dies ist nachteilig für eine konsequente Wabenhygiene im Spätsommer. Wurden die Bruträume schon im Juni gedreht ist der Großteil des Brutnestes nach oben gewandert, die alten Waben können nun unten entnommen werden. Wurde der Tausch nicht früh genug gemacht, befindet sich die Brut nach wie vor in der 2. Zarge. Die Wabenhygiene ist in der stark bebrüteten Zarge bis auf ein paar Randwaben nicht systematisch möglich, werden die Zargen aktuell gedreht wird das Winterfutter in die frischen Waben gelagert, Wabenhygiene ist im nächsten Jahr möglich.